Lieferketten sind vor allem deshalb so schwer zu steuern, weil die zentrale Management-Herausforderung Unsicherheit ist – sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Versorgungsseite. Eli Schragenheim unterscheidet zwischen alltäglicher, erwartbarer Unsicherheit (die man mit sichtbaren Puffern und konsequentem Buffer-Management sehr gut beherrschen kann) und seltenen, massiven Disruptionen, bei denen plötzlich mehrere Engpässe gleichzeitig entstehen und die Fünf Fokusschritte „im Notfallmodus“ angewendet werden müssen (schnellster Engpass identifizieren, ggf. sofort elevieren, sonst Exploit/Subordinate, dann permanent neu identifizieren). Nach der Stabilisierung geht es darum, die neue Normalität (veränderte Märkte, Segmente, Volatilität) zu verstehen und Puffer, Lieferanten- und Produktmix entsprechend neu zu designen. Sanjeev Gupta betont zusätzlich, dass Krisen Chancen schaffen (neue Nachfrage, Re-Konfiguration von Supply Chains) und dass Unternehmen Puffer nicht primär durch „Just-in-Case“-Bestände, sondern durch besseren Flow (kürzere Durchlaufzeiten, weniger WIP, weniger Forecast-getriebene Produktion) „freisetzen“ und intelligent nutzen sollten.